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100 Millionen Dollar frisches Kapital – die vor zwei Wochen bekanntgegebene Series D-Finanzierungsrunde des Start-ups Andela hat es in sich. Der von Ex-US-Vizepräsident Al Gore gegründete Fondsmanager Generation Investment führte den Investorenkreis an. Dieser setzt auf eine wahrlich transatlantische Firmengründung.

Andela versucht eines der Grundprobleme der Digitalwirtschaft zu lösen: Die Knappheit an Entwicklern. Egal ob Start-up oder Großkonzern – gutes IT-Personal ist rar. Andelas Antwort: Afrika. Auf firmeneigenen Campussen in Lagos, Nairobi, Kampala und Kigali rekrutiert das Unternehmen junge IT-Spezialisten und setzt sie für Kundenprojekte in den USA ein. In den viereinhalb Jahren seit Gründung erhielt Andela über 100.000 Bewerbungen, etwas mehr als 1000 Developer wurden eingestellt. Ja, so manches firmeneigene Entwicklungszentrum in Indien oder Osteuropa mag noch größer sein. Aber in Zeiten, in denen nicht nur das Silicon Valley Unsummen für die Bezahlung und Motivation von Code-Arbeitern ausgeben muss, steckt in Andelas Dienstleistung enormes Wachstumspotential. Denn gutes technisches Personal muss nicht an amerikanischen oder europäischen Spitzenuniversitäten studiert haben. Fernab des westlichen Start-up-Hypes, haben sich längst auch in Afrika ernstzunehmende Technologie-Cluster mit jeder Menge digitalen Talenten gebildet.

Zu Ende gedacht…

Genau wie der afrofuturistische Actionfilm „Black Panther“ aus dem Jahr 2018, so steht auch das Start-up Andela für ein alternatives Afrika-Narrativ. Gerade in Deutschland ist das Image des Kontinents immer noch von Bürgerkriegen und Flüchtlingslagern geprägt. Und natürlich gibt es dunkle Flecken auf der Karte. Somalia, die Zentralafrikanische Republik oder die Demokratische Republik Kongo sind traurige Beispiele mehr oder weniger gescheiterter Staaten. Letztere stellte mit einer höchst umstrittenen Präsidentschaftswahl erst vor kurzem wieder die Korruptheit ihrer Eliten zur Schau. Aber Afrika ist eben groß, kompliziert und vielschichtig. Positive Entwicklungen werden nur zu gerne übersehen. Das als Armenhaus verschriene Äthiopien zum Beispiel, erlebt dank des Reformeifers von Regierungschef Abiy Ahmend einen echten politischen Aufbruch. Aus gutem Grund wurde er letzte Woche von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht.

In Ballungszentren wie Lagos oder Nairobi bietet der Konsum einer jungen Mittelschicht ein gigantisches Geschäftspotenzial für zumeist chinesische Hersteller bezahlbarer Massenware. Ganze Entwicklungsstufen wurden übersprungen. Beispiel Kommunikation: Große Teile Afrikas erlebten in ihrer Geschichte niemals eine flächendeckende Festnetztelefonie (und werden dies vermutlich auch nicht mehr). Dafür hat heute fast jeder zweite Afrikaner einen Handyvertrag abgeschlossen. Mobilfunk und mobiles Internet werden im Jahr 2022 für knapp acht Prozent der afrikanischen Wirtschaftsleistung verantwortlich sein.

Ausgerechnet Oliver Samwers Rocket Internet hat das ökonomische Potential des Kontinents schon früh erkannt. 2012 startete Rocket die Ecommerce-Plattform Jumia. Heute ist das Unternehmen in 14 afrikanischen Märkten aktiv, bedient nach eigenen Angaben mehr als eine Milliarde Kunden und ist längst in den Club der Unicorns, der Start-ups mit einer Milliardenbewertung aufgestiegen.

Afrika ist eine Chance

Mehr als die Hälfte des globalen Bevölkerungswachstums bis zur Mitte des Jahrhunderts wird auf das Konto Afrikas gehen – sicherlich eine Herausforderung für die Entwicklungspolitik, aber auch der potentielle Nährboden für eine enorme ökonomische Expansion. Initiativen wie der von der Bundesregierung gestartete „Marschallplan mit Afrika“ oder der von der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft im Dezember 2018 organisierte EU-Afrika-Gipfel sind Ausdruck einer neuen Afrika-Politik. Sie soll die vieldiskutierten Fluchtursachen bekämpfen. Was dabei gerne vergessen wird: Afrika ist auch betriebswirtschaftliche Chance. Das Geschäft dort können wir nicht den Chinesen überlassen.

Auf der Suche nach neuen Renditen sollten Unternehmer und Manager ihren Blick nicht nur – wie gewohnt – in den Fernen Osten, sondern auch in Regionen südlich der Sahara richten. Start-ups wie Andela oder Jumia zeigen: Dort gibt es mehr als Rohstoffe, Rebellen und Diktatoren. Der schwarze Panther setzt an vielen Orten des Kontinents zum Sprung an. Mit oder ohne heimische Akteure. Action required!

Quelle: Benedikt Herles | Capital